Kirchengemeinde Hassel (Weser)

Unsere Kirche ist ab dem 1. Mai täglich bis 18.00 Uhr verlässlich geöffnet.


Auszüge aus:

„1000 Jahre Kirche und Dorf Hassel“


Aus der Geschichte unserer Kirche

Karl der Große begann nach dem 31jährigen Sachsenkrieg um das Jahr 790 n. Chr. mit der planmäßigen Christianisierung. Stützpunkte waren die Klostergründungen durch verschiedene Mönchsorden. Für die neu gebildete Grafschaft Hoya um 810 n. Chr. suchte Karl unter den Edelleuten eine Führernatur, die zwar volksverbunden, ihm aber treu ergeben war und sich verpflichtete, mit aller Macht für das Christentum einzutreten und an der Bekehrung der Sachsen mitzuhelfen.

Unter anderen bekannten Grafennamen tauchte hier auch ein Edler von Hassel auf.

Als erster Bischof von Bremen hatte Karl der Große Willehade berufen, dessen Diözese bis in das Gebiet der Stempellake vor Hassel reichte und dessen Sendboten in Hilgermissen eine kleine Kapelle bauten und von hier ihre Arbeit im Hoyaer Land begannen. Nach der Gründung des Bistums Verden von Bremen aus, wahrscheinlich im Jahre 829 n. Chr., die ostwärts der Weser große Bedeutung gehabt hat, tritt auch die Kirche zu Hassel ins Erscheinungsbild.

Sie ist eine Verdener Stiftung, eine am weitesten nach Süden der Diözese vorgeschobene Missionsstation, und sie wird auch Mutterkirche für Dörverden und Eystrup gewesen sein, was in den jahrhunderte langen Abhängigkeitsverhältnissen beider Gemeinden zu Hassel deutlich wird.

Zur Zeit der Grundsteinlegung der Kirche in Hassel amtierte in Verden der Bischof Adelwardus. Er und sein Nachfolger Amelungus, ein Bruder des Sachsenherzogs Hermann Billung, waren sehr baufreudig. Sie waren tatkräftige Förderer der Parochie Hassels und seiner Kirche.

Die wichtigsten Urkunden über die Kirche sollen leider im 30-jährigen Krieg durch Brandschatzungen verloren gegangen sein. Aber eine Eintragung im Ratslagerbuch zu Bücken sagt: „Anno 929 bouvede Bischof Adelgundus ock de Kercke tho Hastling“. Das Jahr 929 müssen wir als Gründungsjahr der Hasseler Kirche annehmen, während Unterlagen im Staatsarchiv Hannover das Jahr 978 als das Jahr der Einweihung der Kirche nennen.

Das erste Hasseler Gotteshaus wird zuerst eine Taufkapelle gewesen sein. Es war eine Holzkirche, die 200 Jahre überdauerte und später mit Natursteinen umbaut wurde.

Die Hasseler Kirche ist wohl älter als alle anderen Kirchen in den benachbarten Kirchenkreisen.

Wuchtig steht ihr Turm im Westen auf uraltem quadratischem Baugrund aus Natursteinen und er trägt ein pyramidenförmiges Helmdach. Er dürfte als jüngster Bauabschnitt an das Langschiff und den Chorraum angebaut worden sein, wie man aus seinem gesonderten Fundament erkennen kann. Das Mauerwerk besteht aus großen Backsteinen und zeugt von hohem Alter des Kirchengebäudes. Die Kirche bietet das Bild einer festen Wehranlage, sie wird es auch in kriegerischen Zeiten für die Gemeinde früher gewesen sein. Die dicken Mauern aus herangeschafften Wesersandsteinen und einige Schießscharten, sowie Vorrichtungen zur Innenver-riegelung der Türen können dafür Zeugen sein.

Merkwürdige waagerechte und senkrechte Furchen sind im Sandstein des Turmes zu sehen. Sie haben mehrfache Erklärungen erfahren. Sie sollen, wie die Sage berichtet, von Schwertern herrühren, die hier zu Zeichen des Friedens stumpf gemacht wurden. Eine neuere Deutung von Professor Drögereit, Hannover, sieht einen Zusammenhang zwischen den Rillen und den Schutzpatronen der Kirche. Er meint, dass Gläubige hier den Sand herausgekratzt und ihn zu Heilzwecken auf Wunden und Geschwüre gelegt haben.

Wahrscheinlich ist die Kirche einmal bis auf die Grundmauern abgebrannt. Im Altarraum sind die Wände, die ja eine Stärke von fast einem Meter haben, zum Teil stehen geblieben. Darauf hat man neu aufgebaut. Hier sind also noch alte Mauerreste vorhanden, während das Kirchenschiff diese Reste nicht mehr aufzuweisen hat. Man nimmt an, dass die Kirche ihre jetzige Gestalt im 13. und 14. Jahrhundert erhalten hat. Sie wurde etliche Male restauriert. Eine umfassende Änderung erhielt sie 1962 unter Amtsführung des damaligen Pastors Wojahn. Entsprechend dem Bestreben bei der Kirchenrenovierung 1962/63, der Kirche ihren ursprünglichen Baustil wiederzugeben, wurde der Eingang vom sogen. Brauthaus zum Turm verlegt. Das Brauthaus, schon 1691 im Inventarienbuch aufgeführt, diente bis dahin als Eingang zur Kirche. Die Bezeichnung „Brauthaus“ dürfte mit seiner Funktion zusammenhängen, dass hier früher die Braut mit ihrer Familie vor der Trauung ihren Bräutigam erwartete. Das im Inventarienbuch erwähnte Vorhandensein einer Bank und des „Brautstuhles“ legt diese Erklärung nahe. Der Turm wurde in seinem unteren Raum ebenfalls dem alten Stil entsprechend renoviert. Zwei Epithaphe fordern rechts und links an seinen Wänden Beachtung. Auf dem rechten ist ein Brautpaar vor dem Altar stehend zu sehen. Der Bräutigam, ein Bürger aus Bremen, hält seine Angetraute am Arm, während ein Engel den Kranz von ihrem Haupte nimmt. Die Inschrift besagt, dass die Braut am Altar gestorben sei. Das linke Epithaph zeigt ein Wappen mit den Daten einer Familie v. Ahlen.

Der Querbalken über dem Eingang zum Innenraum trägt die Jahreszahl 1618. Vor der Renovierung verband dieser Eichenbalken die Außenwände des Kirchenschiffes. Offensichtlich war es nötig geworden, diesen Mauern einen zusätzlichen Halt zu geben. Zu beiden Seiten des Altars stehen heute an der Ostwand die beiden Holzfiguren, die beiden Namensgeber der Kirche, Cosmas und Damianus, die Schutzheiligen der Hasseler Kirche. Cosmas und Damian, Zwillingsbrüder aus Aegaeda in Cilicien, lebten im 3. und 4. Jahrhundert und übten ihre heilende Tätigkeit im Sinne echter christlicher Nächstenliebe ohne jedes Entgelt aus. Sie erregten damit nicht nur die Andersgläubigen, sondern vor allem die auf Gelderwerb angewiesenen Ärzte, meist Sklaven. Das führte schließlich dazu, dass sie während der diokletianischen Christenverfolgung (302-303) verurteilt und hingerichtet wurden. Die christliche Literatur ist voll ihrer Wunderheilungen. Die katholische Kirche feiert heute noch ihren Gedenktag am 26. September.

Die erste Orgel wurde nachweisbar 1837 von der Firma Altendorf & Bergmann, Hannover gebaut. 1901 stammte die Orgel von Orgelbauer Becker aus Hannover und die jetzige Orgel ist seit 1965 von Firma Hillebrand, Altwarmbüchen.

Bei einer restauratorisch technischen Untersuchung im Jahr 1998 wurden im östlichen Chorjoch Reste romanischer, gotischer und Renaissancemalerei mit floraler Ornamentik, musizierenden Engeln sowie malerisch gefassten Bandrippen und Weihekreuzen festgestellt. Die Malereien stammen aus verschiedenen Jahrhunderten, die ältesten wohl aus dem frühen 13. andere aus dem 15. und dem 17. Jahrhundert.

Die Kanzel mit der Jahreszahl 1620 verweist auf ihren geschichtlichen Wert. Als Stifterfamilien nennt die Inschrift THÖLE AHLHUSEN, HE1NR. TWIETEMEYER 1620. In ihrer Ornamentik zeigt sie Feld- und Gartenfrüchte. Zwei Bilder stellen Mose und Paulus dar. Ein Schriftverband im oberen Teil lautet: VERBUM DOMINI MANET IN ATERNUM (des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit)!

Der Taufstein ist aus dem Sandstein des alten Ehrenmals‚ eine handwerkliche Arbeit aus dem Jahr 1961. Die Taufschale stammt aus alter Zeit. Sie ist schon 1705 erwähnt.

2000-2003 wurde die Kirche zuletzt renoviert und erstrahlt nun in neuem Glanz. Das Turmdach wurde neu eingedeckt, Holzverbindungen verstärkt, neuer Putz, neue Fenster, neue Heizung. Das Ostfenster bekam wieder die alte Form und wurde, wie auch die vier Seitenfenster im Altarraum, von Henning Diers zum Thema Emmaus-Jünger gestaltet.