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Kirchengemeinde Hassel (Weser)

Seelenfutter

Seelenfutter – das sind Texte, Gebete, Miniaturen oder Lieder für Herz und Seele in Zeiten von Corona. Nicht regelmäßig, aber immer mal wieder.

Ein Tipp: Da die Seite wie ein Blog aufgebaut ist, stehen die neusten Beiträge immer ganz unten

Viel Spaß beim Stöbern und Futtern 😉😇
Quelle: Marc Tran | Stocksy United

16.3.2020 | Corona in der Passionszeit

Das Leben geht anders. Die Nachrichten ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich. Viele sind verunsichert. Manche haben Angst um ihr Leben oder um ihre Liebsten, die geschwächt oder vorbelastet sind. Viele Veranstaltungen werden abgesagt. Die einen bleiben zu Hause, weil die Kinder zu Hause sind. Insgesamt verbringen alle mehr Zeit in ihren vier Wänden, weil es wenig Möglichkeiten gibt, die Freizeit zu gestalten. Öffentliche Einrichtungen schließen, Veranstaltungen werden abgesagt. Alle Orte, an denen Menschen zusammenkommen, sollte man meiden.

Lasst Euch nicht verrückt machen!

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Es hat keinen Sinn, der Angst zu viel Raum zu geben. Vorsicht ist gut, aber auch in der Vorsicht gibt es noch Raum, um das Leben zu gestalten, ja sogar um daraus eine schöne, kostbare Zeit zu machen.

Alle, die bisher das Gefühl hatten, das Leben rast und es ist kaum Zeit zum Atemholen, die können nun zur Ruhe kommen. Klar, wir könnten jetzt von morgens bis abends auf's Handy schauen nach den nächsten Nachrichten, die uns unruhig machen. Wir können Fernsehen gucken, um uns zu informieren oder um uns abzulenken. Wir können aber auch die Zeit für uns ganz persönlich nutzen – im Sinne dessen, was die Passionszeit meint:

Komm zu Dir selbst.
Erinnere Dich, wer Du sein willst.
Erinnere Dich, wofür Gott Dich auf der Welt haben will.
Nimm Dir Zeit für das, was Dir wichtig ist und was sonst zu kurz kommt.
Zeit für Dich. Zeit für Deine Lieben. Zeit für die Schöpfung. Zeit für Gott.

Zeit für Dich: Finde Deine Mitte wieder. Atme. Leg Dich in die Badewanne. Genieß die Sonne. Sei einfach da und schau, was passiert.

Zeit für Deine Lieben: Unterhaltet Euch miteinander. Redet über Pläne, Träume, Sehnsüchte. Über die schönen Erfahrungen, über die Menschen, die Euch geprägt haben. Über heilige Momente in Eurem Leben. Geht spazieren, spielt Spiele – ganz analog. Lest Euch gegenseitig vor. Kocht Euch einen Tee und telefoniert lange und ausgiebig mit Freunden und Verwandten. Bietet Menschen aus Risikogruppen an für sie Einkäufe zu erledigen und denen, die arbeiten müssen, aber Kinder zu Hause haben, die Kinder zu sitten.

Zeit für die Schöpfung: Du hast Zeit für die Schöpfung. Geh raus in die Natur. Nimm Dir Zeit. Schaue. Atme. Spüre Dich in der Welt. Die Erde trägt Dich.

Zeit für Gott: Du hast Zeit für Gott. Gott ist mit dir auf dem Weg. Wie stehst Du zu ihm? Wo hast Du etwas von ihm wahrgenommen? Fühlst Du Dich mit ihm verbunden oder hast Du Dich von ihm abgewandt, weil Du enttäuscht bist oder Dir nicht mehr vorstellen kannst, dass es ihn gibt? Zünde eine Kerze an und erzähle Gott, wie Du zu ihm stehst. Such deinen Tauf-/Konfirmations- oder Trauspruch raus und denke über ihn nach. 
 
Gott sei mit seinem Segen, mit seiner Liebe und mit seiner Kraft um Dich in diesen Tagen!
Quelle: http://www.obere-rhoen-evangelisch.de

16.3.2020 | Ein Gebet in Zeiten von Corona

Quelle: MW

23.3.2020 | Ein kleiner Mutmachtext zum Weiterschreiben

Wie die Träumenden

Das wird schön sein, wenn wir uns wieder treffen können!
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder direkt in die Augen schauen können.
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder die Hände geben und einander umarmen können – bestimmt umarme ich vor lauter Freude den einen oder die andere mehr als zuvor.
Das wird schön sein, wenn wir wieder gemeinsam Gebete sprechen und Lieder singen können – gerne auch lauthals: Zu Gott rufen, was Kummer ist und was Dankbarkeit, und den Mund voll nehmen mit zusammenklingender Freude.
Das wird schön sein, wenn wir uns wieder auf einen Kaffee zusammenhocken, miteinander reden, lachen und wo es Not tut auch weinen können.
Das wird schön sein, wenn wir die wärmende Sonne wieder in vollen Zügen genießen und die Kinder fröhlich auf dem Spielplatz spielen können.


Ja, es wird sogar schön sein, wieder zur Schule oder zur Arbeit gehen zu dürfen – wer hätte das gedacht? All das und vieles mehr, was uns bislang vertraut und selbstverständlich war, werden wir ganz neu genießen, fast wie ein kleines Kind. Das wird schön sein!


Und bis wir uns wiedersehen halten wir aus und durch.
Bis dahin leben wir in Quarantäne zwischen Hoffen und Bangen.
Bis dahin telefonieren wir und chatten wir, halten Abstand, "social distance".
Unser Schreibtisch heißt jetzt "home office" und die Besprechungen halten wir per Video – geht alles, sogar Gottesdienste und Seelsorge, und wir beten für die Kranken und die Trauernden, und zugleich gegen die eigenen Ängste und Sorgen um die Zukunft und gegen die Verzweiflung.

Und bis wir uns wiedersehen, lernen wir kreativ zu sein und viele neue Dinge.
Bis dahin schreiben wir, ganz "old school", Briefchen an unsere Nachbarn mit Hilfsangeboten und mit Dank.
Bis dahin singen wir aus den Fenstern und musizieren auf Balkonen.
Bis wir uns wiedersehen lernen wir einander neu kennen und unsere Familien und uns selbst.
Bis dahin fangen wir vielleicht sogar an, das Leben neu zu sehen: Was ist wirklich wichtig?
Und bis wir uns wiedersehen, fangen wir an zu träumen wie es sein könnte, nachdem es nun nicht mehr so ist, wie es war. Was wir verändern, neugestalten und wie wir neu beginnen werden. 

Das wird schön sein, neu zu leben als Träumende im Hier und Jetzt, behütet, bewahrt und getröstet!


Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. (Psalm 126,1f)

25.3.2020 | Perspektivwechsel

Quelle: MW

28.3.2020 | 10 Gebote für die Corona-Zeit von Thorsten Latzel

1. Du sollst Deine Mitmenschen lieben, komm ihnen aber gerade deswegen nicht zu nahe. Übe Dich in "liebevoller Distanz". Auf Deine Gesundheit und die Deiner Mitmenschen zu achten, ist immer wichtig. Jetzt kann es lebenswichtig werden.

2. Du sollst nicht horten – weder Klopapier noch Nudeln und schon gar keine Desinfektionsmittel oder gar Schutzkleidung. Die werden in Kliniken gebraucht, nicht im Gäste-Klo zu Hause.

3. Die Pandemie sollte das Beste aus dem machen, was in Dir steckt. Keinen Corona-Wolf und kein Covid-Monster, sondern einen engagierten, solidarischen Mitmenschen.

4. Du solltest ruhig auf manches verzichten. Quarantäne-Zeiten sind Fasten-Zeiten. Dafür gewinnst Du andere Freiheit hinzu. Das passt sehr gut in die Zeit vor Ostern.

5. Du sollst keine Panik verbreiten. Panik ist nie ein guter Ratgeber, zu keiner Zeit, gesunder Menschenverstand und Humor dagegen schon. Deshalb hör auf Fachleute, beruhige andere und schmunzele über Dich selbst. Da macht man erstmal nichts falsch und es trägt sehr zur seelischen Gesundheit bei.

6. Du solltest von „den Alten“ lernen. In früheren Zeiten von Seuchen und Pestilenz, als es noch keine so gute Medizin wie heute gab, half Menschen vor allem ein gesundes Gottvertrauen und die tätige Fürsorge füreinander. Das ist auch heute sicher hilfreich.

7. Du solltest vor allem die Menschen trösten und stärken, die krank werden, leiden oder sterben. Und auch die, die um sie trauern. Sei der Mensch für andere, den Du selbst gern um Dich hättest.

8. Du solltest anderen beistehen, die deine Hilfe brauchen – Einsamen, Ängstlichen, Angeschlagenen. Oder Menschen, die jetzt beruflich unter Druck geraten. Das hilft nicht nur ihnen, sondern macht Dich auch selber frei.

9. Du solltest frei, kreativ und aktiv mit der Pandemie umgehen. Dazu sind wir von Gott berufen. Du wirst am Ende vielleicht überrascht sein, was sie Positives aus Dir und anderen herausholt.

10. Du solltest keine Angst vor Stille und Ruhe haben. Wenn die Quarantäne zu mehr Zeit zum Umdenken, zum Lesen und für die Familie führt, wäre das ein guter "sekundärer Krankheitsgewinn".

3.4.2020 |Ein Gebet von Nadia Bolz-Weber (Übers. Kathrin Oxen)

Dass wir allen Komfort und die Bequemlichkeiten, die unser Leben umgaben, nicht oft genug als Segen betrachtet haben, sondern als selbstverständlich hingenommen haben. 
Vergib uns, Gott.

Für alle unter uns, die jetzt allein und nicht in der Gemeinschaft trauern müssen. 
Tröste uns, Gott

Für alle unter uns, die sich um die Kranken kümmern. 
Beschütze uns, Gott.

Gib uns die Fähigkeit, all die Angstmacherei, die wenig hilfreichen Kommentare und die schlimmste Szenarien nicht andauern anzuklicken. 
Stärke uns, Gott.

Für alle, denen nichts Kreatives mehr einfällt, was ihnen hilft, die Zeit mit den Kindern in der Wohnung durchzustehen. 
Inspiriere uns, Gott.

Für die unter uns, die sich jetzt zu Hause selber Ponys schneiden. 
Leite uns an, Gott.

Die Gnade, dass wir und andere jetzt einfach nicht produktiv und kreativ sein müssen. 
Schenke sie uns, Gott.

Dass diejenigen großzügig sind, die jetzt mehr Kraft als andere haben. 
Mach es möglich, Gott.

Befreie uns von selbstsüchtigen Neigungen. Wir sind doch deine Kinder und niemand von uns hat schon einmal eine Pandemie erlebt. 
Lieb uns, so wie wir sind, Gott.

In den Tagen, die kommen, sei bei uns. Gott, ungebunden an die Zeit, du bist schon gegenwärtig in der Zukunft, die wir heute fürchten. 
Hilf uns, das zu glauben, Gott.

Amen.

7.4.2020 | Gedanken zu Palmsonntag

Am nächsten Tag hörte die große Menge, die zum Passafest gekommen war, Jesus sei auf dem Weg nach Jerusalem. Da nahmen sie Palmzweige, zogen ihm entgegen vor die Stadt und riefen laut: „Gepriesen sei Gott! Heil dem, der in seinem Auftrag kommt! Heil dem König Israels!“. Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, so wie es schon in den Heiligen Schriften heißt: „Fürchte dich nicht, du Zionsstadt! Sieh, dein König kommt! Er reitet auf einem jungen Esel“. Damals verstanden seine Jünger dies alles noch nicht; aber als Jesus in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war, wurde ihnen bewusst, dass dieses Schriftwort sich auf ihn bezog und dass die Volksmenge ihn dementsprechend empfangen hatte. Als Jesus Lazarus aus dem Grab gerufen und vom Tod auferweckt hatte, waren viele dabei gewesen und hatten es als Zeugen weitererzählt. Aus diesem Grund kam ihm jetzt eine so große Menschenmenge entgegen. Sie alle hatten von dem Wunder gehört, das er vollbracht hatte. Die Pharisäer aber sagten zueinander: „Da seht ihr doch, dass wir so nicht weiterkommen! Alle Welt läuft ihm nach!“. (Johannes 12,12–19)

Ich lese sie anders, dieser Tage: Diese alte, so vertraut geglaubte Geschichte von Jesus, der in Jerusalem einzieht. Auf einem Esel sitzend. Und so viele Menschen sind da. In großer Menge versammelt. Am Wegesrand. Dicht an dicht. Und sie halten Palmzweige in den Händen und legen vor ihm ihre Kleider nieder, damit er darüber gehen kann. Und sie heißen ihn willkommen, wie einen König. Und sie jubeln und rufen: „Hosianna in der Höhe! Gepriesen sei Gott!“. Und es erfüllt sich damit etwas, was ihnen vorausgesagt, vorausgeschrieben wurde. Aber das wissen sie noch nicht. Erst im Rückblick, später dann, wenn Jesus schon tot ist, dann werden sie vielleicht sagen: Ach, hätten wir doch mehr von ihm berührt, als nur den Saum seines Gewandes. Ach, hätten wir uns doch nur mehr berühren lassen von ihm. Ach, hätten wir doch nur mehr an ihn geglaubt.

Ich lese diese alte, so vertraut geglaubte Geschichte in diesen Tagen anders, weil ich anders bin. Im Moment. Weil die Welt so anders ist. Im Moment.

Ich lese uns darin. Ich sehe uns: Wie wir diese Menschenmenge sind. Wie wir am Wegesrand stehen. Mit Sicherheitsabstand und Masken vor Nase und Mund. Wie wir da stehen und warten. Auf ihn. Und wie wir damit vielleicht auch etwas erfüllen, von dem, was uns vorausgesagt, vorausgeschrieben ist. Sicher bin ich mir dessen nicht, aber ich kann es mir vorstellen:

Dass sich herumgesprochen hat, dass er kommen wird. Und uns das aus unseren Wohnungen und Häusern hinaustreibt. Und wie dann auch wir unsere Kleider vor ihm ausbreiten, unsere Jogginghosen und OP-Kittel, unsere Bademäntel und Schutzanzüge, unsere letzten Hemden.

Und wie wir unsere Taschen ausleeren. Alle Hand- und alle Hosentaschen. Dass wir sie von innen ganz nach außen kehren und dort auf dem Boden, im Staub, da liegen dann ein Schlüsselbund und Einmalhandschuhe und ein durchnässtes Taschentuch und eine angebrochene Schachtel Zigaretten und ein Handy, mit dem wir in diesen Tagen so viele Worte und Bilder und Videos und Stimmen verschicken, weil uns das verbunden hält mit den vielen, die uns gerade so sehr fehlen.

Und ich stelle mir vor, dass wir ihm unser Herz hinhalten. Ohne Sicherheitsabstand. Und wie wir dazu ein Hosianna singen, es kann Jubel bedeuten oder ein Flehen. Jedenfalls bricht plötzlich unsere Stimme dabei. Weil unser Herz einen Riss hat und gerade immer neue Risse dazukommen. Unser Herz, es reißt in dem Moment, als wir das Video sehen, von dem verzweifelten Arzt in Bergamo, der davon erzählt, wie ihm die Menschen unter den Händen wegsterben.

Unser Herz, es bekommt einen Riss, als das zweijährige Patenkind uns in die Arme fliegen will, als es uns auf der Straße sieht, so wie immer, und es nicht versteht, dass das gerade nicht geht – weil nichts so ist, wie immer.

Es zerreißt uns fast, als wir erfahren, dass in Moria jetzt wieder einmal das Wasser abgestellt wurde. Und wir uns fragen, wie soll Händewaschen denn ohne Wasser gehen? Und Leben überhaupt?

Ich stelle mir vor, wie wir in die Höhe halten, unsere Palmzweige, alles, was grün ist, unsere ganze Hoffnung. So hoch, dass er sie nur sehen möge. Und sich manche Hoffnung so vielleicht erfüllt.

Und dann ist er da. Und er schaut uns an: Unsere Kleider und unsere Taschen, unsere Liebe und unser Leid, unser Herz und unser Hosianna, unsere palmzweiggrüne Hoffnung. Und ich stelle mir vor, wie er uns nah kommt. So nah, wie es derzeit eigentlich gar nicht erlaubt ist. Und wie er uns zunickt oder lächelt oder uns einmal ganz feste drückt. Wie er uns die Worte ins Ohr flüstert, die wir gerade hören müssen oder wie er unsere Zweige nimmt und unser Herz und sie verbindet. Mit Verbandszeug. Ich stelle mir vor, wie er allen das gibt, was sie in diesem Moment brauchen.

Mehr geht nicht. Mehr gibt es nicht. Nur diesen Moment, indem alles jetzt ist.

Und dann geht er weiter. Und wir auch. In diese Woche, dieses Leben. Und wir erfahren darin viel vom Leid. Wir essen alleine zu Abend, wir haben Angst und nehmen Abschied. Wir bewegen uns in einer Zwischenzeit, in großer Unsicherheit. Weil alles sich so schnell ändert gerade. Und auf nichts Verlass scheint. Manchmal fühlen wir uns fast verraten: Was wir für sicher hielten, ist es nicht mehr. Und nachts liegen wir deswegen stundenlang wach. Und am Morgen erzählen unsere zerknitterten Laken davon, dass nicht mal der Schlaf uns gerade Erholung schenkt, geschweige denn Erlösung.

Und doch gehen wir weiter. In diese Woche, dieses Leben. Und wir erfahren darin viel von der Liebe. Wir nähen Schutzmasken und malen mit Kreide Worte auf Asphalt. Wir singen Gute-Nacht-Lieder von Balkonen und manchmal klingt das wie ein Hosianna, jubelnd und klagend zugleich. Und neben der Tür zu unserer Wohnung, da hängt vielleicht ein kleines Kreuz. Aus Messing, Holz oder Tiffany-Glas. Und wir klemmen einen Zweig dahinter. Etwas Grünes. Ein Stück Verbandszeug. Und manchmal, wenn wir daran vorbeigehen, wenn wir das Haus verlassen, um zur Arbeit oder zum Einkaufen zu gehen, um Luft zu schnappen, oder um kurz mal zu gucken, wie die Welt hinter unseren Wänden aussieht, dann bleibt unser Blick daran hängen. An diesem Kreuz. An dieser Hoffnung. Und für einen Moment wissen wir uns verbunden.

Und später dann, vielleicht erst im Rückblick, einmal, dann werden wir sagen: Wir haben ihn berührt. Und er uns. Wir haben an ihn geglaubt. Und er an uns. Er war da. Er hat das alles mit uns durchlebt und durchlitten. Hat uns durch das alles hindurch geliebt.

Aber heute, da wissen wir noch nicht sicher, was werden wird, was uns vorausgesagt ist und verheißen, und so können wir gerade nur davon lesen und damit glauben üben, was uns zugesagt ist, nämlich: Dass wir uns nicht fürchten sollen. Weil da noch was kommt.

Amen.

7.4.2020 | Fundstück


16.4.2020 | Humor ist nicht abgesagt!

Man darf in den Baumarkt, aber nicht in die Kirche?

1. Weil gemeinsames Singen und Beten in einem geschlossenen Raum zu den gefährlichsten Tätigkeiten zählen. Ein Chor in Skagit Valley, 121 Mitglieder, keine Symptome, Abstandsregeln eingehalten, 45 Infizierte, 2 Tote.

2. Weil die Zielgruppe der Kirche und des Virus hohe Überschneidungen aufweist. Der durchschnittliche Kirchgänger ist 57, der Anteil der über Sechzigjährigen ist 32%.

3. Weil Jesus Virologe war und in seinem Podcast gesagt hat: "Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten."

4. Weil Gott, wenn dein Klo verstopft ist, nicht mit Gebeten belästigt werden will, sondern von dir erwartet, dass du einen Pömpel im Baumarkt kaufst.

5. Weil Gott Selbstmordmissionen ablehnt.

6. Weil der Staat sich große Sorgen um das Wohl der Bevölkerung macht und sehr ernsthaft abwägt, wo die meisten Gefahren liegen.

7. Weil Gott genau so arbeitet: Er warnt seine Schäfchen durch Experten und wenn sie dann immer noch zu blöd sind und sich in Gefahr bringen, dann sagt er: "Nu".

8. Weil Jesus Zimmermann war.

9. Ernsthaft: Singen und Beten in einem geschlossenen Raum sind wirklich gefährlich.

10. Damit Peter Hahne und Jacob Augstein endlich mal wieder breite Aufmerksamkeit bekommen.

Bei Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Pastor oder Malte Welding 😉😊

22.4.2020 | O-Ton – Frag den Pastor


30.4.2020 | Es dennocht überall!

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. (Psalm 73,1)

Wer "dennoch" sagt, der hat meistens das letzte Wort. Zur Zeit „dennocht“ es überall. Der Frühling in Alhuser Ahe grüßt warm und bunt, dennoch lauert da draußen neben Blumen und duftenden Wiesen ein Virus, das Menschen das Leben kostet. Es wäre genug da auf dieser Welt – genug Masken, genug Atemschutzgeräte – und dennoch funktioniert die Verteilung nicht, dennoch geht es um ökonomische Interessen von Staaten, um nationale Machtspiele. Und dann die vielen „Dennochs“ im Alltag von Familien: Ein Kraftakt, dennoch durchzuhalten – essen, anziehen, spielen, lernen, Homeoffice, Homeschooling, kochen, waschen, geduldig sein, lächeln. Dennoch.

Viele „Dennochs“, die einen umzingeln und mit Pfeil und Bogen an den Nerven zehren. In dem biblischen Wort, das für den heutigen Tag ausgesucht wurde, kommt auch ein "Dennoch" vor. Aber das passt irgendwie nicht zu den anderen.

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. (Psalm 73,1)

Kein trotziges Dennoch. Sondern ganz zart und zuversichtlich. Gott ist dennoch Israels Trost für alle – für die Eltern und Kinder, die Jungen und Alten, die Kranken und Gesunden.

Mich tröstet dieses Dennoch Gottes in dieser Zeit. Weil es den anderen „Dennochs“  Pfeil und Bogen aus der Hand nimmt. Und auch wenn sie dadurch nicht verschwinden, haben sie plötzlich nicht mehr das letzte Wort.

Gott ist der Trost Israels, der Zermürbten und Genervten, derjenigen, die gelassen durchhalten und derjenigen, die wütend sind und sich allein gelassen fühlen.

Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind. (Psalm 73,1)

Das macht mein Herz wieder groß und weit. Ein letztes, wunderbares "Dennoch" bleibt. Trotz allem und immer. Und deshalb gerade auch jetzt.

Amen.

6.5.2020 | Corona-Gottesdienste? Ja, Nein, Vielleicht?

Quelle: MW

14.5.2020 | Gedanken zu Rogate

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu.

Leider ist mein Kämmerlein immer ein bisschen unordentlich. Die Strickjacke über die Stuhllehne geworfen. Auf dem Tisch Dinge, die ich alle paar Wochen wegräume. Und dann sammeln sie sich doch wieder, ich hab keine Ahnung, wie das passiert. Die Zettel mit Notizen, manchmal mehrere. Eine halbvolle Packung Tempo-Taschentücher. Manchmal auch mehrere. Kulis, USB-Sticks. Locher und Tacker. Tesafilm. Unterlagen für die Steuer. Ein Gutschein vom Möbelhaus, den ich nie einlösen werde. Das Handy. Ladekabel. Eine leere Tasse. Ein Buch. Manchmal auch mehrere. In meinem Kämmerlein sind Zimmerpflanzen, die ich zu selten gieße. Deshalb werfen sie immer wieder ein paar Blätter ab. Und doch überleben sie auf wundersame Weise.

Manchmal wünsche ich mir, ich könnte mein Kämmerlein besser in Ordnung halten. Ich kenne Menschen, die schaffen das. Die haben für alles einen aufgeräumten Platz. Papiere in Ordnern,
Schreibwaren in Körbchen. Der Tisch krümellos und frei, darauf ein Strauß frischer Flieder in einer passenden Vase. Ich bewundere das. Wirklich. Wenn es bei Euch so aussieht, behaltet es bei! Da gibt es nichts dran zu kritisieren.

Ich weiß auch, dass manche so ein aufgeräumtes Gebetsleben haben. Die Stille Zeit hat bei ihnen ihren festen Platz zwischen Zähneputzen und Kaffee-kochen. Und sie hat einen ordentlichen Ablauf. Beten. Einen Text aus der Bibel lesen. Darüber nachdenken. Beten. Zehn, fünfzehn Minuten. So einfach ist das. Und doch so schwer.

Immer wieder hab ich probiert, es auch so zu machen. Neulich erst, als wir keine gemeinsamen Gottesdienste in der Kirche mehr feiern durften. Da haben die Glocken um 18 Uhr geläutet. Und am Anfang hab ich immer ein Eck von meinem Tisch freigeräumt. Eine Kerze angezündet. Gebetet. An andere gedacht, die das vielleicht im gleichen Moment auch getan haben. Das war gut.

Und trotzdem ist mir wieder Unordnung reingekommen. Ein anderer Termin. Die Zeit vergessen. Der Tisch zu voll mit anderen Dingen. Das Herz auch. Unten die Staubschicht der Traurigkeit. Darüber die Krümel des Ärgers. Oben die drohende Wolke der Resignation. Dazwischen die Sonnenstrahlen, die mich nach draußen gelockt haben.

Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist.

Ich kriege das nicht so gut hin mit dem Kämmerlein bei mir zu Hause. Aber ich habe andere Orte gefunden, wo ich gut beten kann. Kämmerlein in meinem Alltag. Wenn ich im Auto sitze und in die Gemeinden fahre, dann bete ich: „Gott, gib mir einen klaren Kopf und ein offenes Herz für das, was mich erwartet.“ Und auf der Heimfahrt: „Gott, danke für die Begegnung mit Frau Soundso oder Herrn X. Das hat mir gut getan. Beschütze sie, sei bei ihm, gib, was er braucht.“

Ein anderes Kämmerlein finde ich, wenn ich zu Fuß unterwegs bin. Wenn ich durch die Masch oder Alhuser Ahe laufe, danke ich Gott für meine Füße, die mich tragen, und für alles, was wächst. Und ich bitte ihn um Regen für die Natur. Wenn ich durch Wohngebiete laufe, bitte ich Gott für die Menschen, die hinter den Fenstern sind. Und danke für unsichtbare Gemeinschaft.

Und ich bin Jesus so dankbar für seine klare Ansage, dass wir nicht viele Worte zu machen brauchen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Daran glaube ich: Gott sieht in das Verborgene. Er sieht all das, was meine Augen nicht sehen. Er sieht in die Kämmerlein, in denen die Menschen in den letzten Wochen so viel Zeit verbracht haben. In die Autos, auf die Spazierwege, in die Häuser. Aufgeräumte Wohnzimmer, ungemachte Betten, liegengebliebenes Spielzeug – nichts davon bleibt Gott verborgen. Gott sieht die Falten in unseren Gesichtern und das, was sich dahinter verbirgt. Er sieht unsere Herzenskämmerlein. Darin die Zufriedenheit eines gelebten Lebens. Die Sorgen und die Erschöpfung. Die Gedanken, die immer wiederkehren. Die Fragen, die keine Antwort finden.

Gott sieht in das Verborgene. Er findet unsere Liebe, die überdeckt ist von all dem, was sich immer wieder in uns ansammelt. Von der Staubschicht der Enttäuschungen. Gott sieht unsere Liebe, und er wird sie uns vergelten.

Gott weiß, was wir brauchen. Deshalb gibt er uns jeden Tag Kämmerlein, in denen wir beten können, mit wenigen Worten.

Und weil Gott weiß, dass wir manchmal nicht einmal die finden, hat er uns ein Gebet gegeben. Worte, einfach und klar. Egal, wie es gerade bei Euch und in Euch aussieht, was da unaufgeräumt rumliegt. Vielleicht betet Ihr sie ja gleich, wenn Ihr das gelesen habt. Und unser Vater, der ins Verborgene sieht, wird’s uns vergelten.

Amen.

Unser Vater …


28.5.2020 | Die Pfingsttaube

In einer kleinen sizilianischen Bergstadt war ein Pfarrer, der sei­ner Gemeinde die großen Geheimnisse Gottes gern sichtbar ma­chen und handgreiflich nahe bringen wollte. Er hatte viel Phanta­sie dabei. Und so erlebte es die staunende Gemeinde an jedem Pfingstfest, dass nach der Verlesung der Pfingstgeschichte hinter dem Altar eine weiße Taube aufflog. Und wem sich diese Taube auf die Schulter oder gar auf den Kopf setzte, dem, so hieß es, sei in diesem Jahr eine besondere Erleuchtung durch den Heiligen Geist gewiss.
Natürlich wussten die Leute, dass der Pfarrer dem Küster die An­weisung gegeben hatte, sich mit der Taube in der Hand hinter dem Altar zu verbergen und diese Taube am Ende der Pfingstge­schichte in die Luft zu werfen – aber es war trotzdem immer wie­der ein mit Spannung erwarteter Moment, und das Staunen war in jedem Jahr dasselbe. Wo würde die Taube diesmal landen, wel­ches Wunder würde der Heilige Geist in diesem Jahr bewirken?
Denn es hatte sich auf diese Weise schon manches Wunder ange­kündigt. Vor einigen Jahren war die Taube dem Lehrer auf die Schulter geflogen, und der hatte danach ein geistvolles Buch ge­schrieben. Einmal hatte sie sich dem jungen, eingebildeten Grafen auf den Kopf gesetzt, und der ließ auf eigene Kosten eine neue Wasserleitung für die Stadt bauen, die „Wasserleitung des Heili­gen Geistes“, wie sie jetzt hieß. Und in einem Jahr war die Taube auf den Schultern des zwielichtigen, undurchsichtigen Verwalters des städtischen Armenhauses gelandet, und der hatte daraufhin den Entschluss gefasst, mit den Geldern, die er unterschlagen hatte, einen Kinderspielplatz zu bauen. Es war also immer span­nend und zukunftsträchtig, was am Pfingstfest mit der Taube ge­schah.  Dann bekam die Gemeinde jedoch einen jungen, modernen Pfar­rer aus dem Norden. Der hielt nichts von solchen spektakulären Aktionen und von dem Aberglauben, der für die Gemeinde damit verbunden war. Doch so sehr er auch gegen diesen Unfug wet­terte und sich über den Aberglauben lustig machte: Er wagte an Pfingsten dann doch nicht, die weiße Taube einfach abzuschaffen. Er hatte sich – wie er meinte – eine Übergangslösung ausge­dacht: An diesem Pfingstfest sollten alle Fenster und Türen der Kirche weit geöffnet bleiben, denn wenn die Taube, wie er hoffte, den Weg in die Freiheit nehmen würde, statt sich einem Gottes­dienstbesucher auf Kopf oder Schulter zu setzen, würde sich die­ser unsinnige Brauch von selber in Luft auflösen.

Natürlich waren alle Gemeindemitglieder gespannt, was an die­sem Pfingstfest geschehen würde. Die Kirche war noch voller als sonst. Gespannt warteten alle auf das Ende der Pfingstgeschichte. Die Taube flatterte wie jedes Jahr hinter dem Altar hervor. Sie flog drei Runden durch die Kirche, vom Pfarrer und der Gemeinde gespannt mit den Augen verfolgt. Was würde sie tun?
Sie ignorierte die geöffneten Fenster und Türen, flog immer nied­riger – und setzte sich just dem neuen jungen Pfarrer auf die rechte Schulter. Dem war das sehr peinlich, die ganze versam­melte Gemeinde aber wusste sich vor Freude kaum zu halten und applaudierte lange vor Begeisterung. 

So kann es gehen, wenn man dem Heiligen Geist zu wenig zu­traut. Und ich bin mir sicher, dass auch der neue junge Pfarrer in der Geschichte im Jahr darauf irgendetwas Geistvolles, Gutes getan hat, und dass seine Stellung in der Gemeinde fortan viel­leicht etwas besser wurde …
Quelle: Adobe Stock

3.6.2020 | Die pfingstrote Hängematte

Sie liegt in der Hängematte. Zwischen Apfelbaum und Pflaumenbaum. 
Sie schaut in die Wipfel. Die Blätter der Bäume berühren sich sanft. 
Gehen ineinander über, so als wären sie eins. Kaum zu unterscheiden. 
Ihre Beine baumeln in der Luft. Das Gras kitzelt an den Fußsohlen. 
Ja, sie müsste mal wieder dringend mähen. Aber der Rasenmäher? Kaputt!
Eine Taube gurrt.
Ein Bewohner im Altenheim hustet laut.
Der Nachbar bekommt ein neues Dach.
Es ist ein wunderbarer Abend. Mild. Fast noch warm. Sie lauscht dem Vogelgezwitscher und dem leisen Rauschen durch den Wind.
Ein Flugzeug ist im Landeanflug.
Es riecht nach Bratkartoffeln.
Ein ganz normaler Junitag also.

Für einen Moment glaubt sie das wirklich. 
Das Hämmern des Dachdeckers holt sie schlagartig in die Realität zurück.
Kein Normal. Kein zweckfreies Irgendwas. Nicht mal diese Gedanken. 
Kein Satz ohne C Punkt. Zum Kotzen. Im Strahl.
Kein Satz ohne G wäre ihr lieber. G wie Geist. H.G. 
Stellt sich vor: Er ist immer dabei.
Beim Einkaufen. Und Bügeln. Beim Shoppen. Und Eisessen. 
Beim Busfahren und auf der Arbeit.
Beim Einschlafen und Aufwachen.
Herr oder Frau G.
Antreibend. Mutmachend. Rot. Wild. Feurig. Stürmisch. Angstvertreiberin. Motivator. Bewegerin. Inspirateuse. Lebensverändernd. In jeglicher Hinsicht.

Eingehüllt liegt sie jetzt da. In ihrer Hängematte. 
Umhüllt von Rottönen und Orangetönen und Gelbtönen. 
Die Sonne taucht alles in Wärme und Geborgenheit.
C Punkt hat sie aus der Matte geschmissen. Wie Marc-Uwe das Känguru. 
Und freut sich über diesen kleinen Augenblick des Triumphs. 
Zumindest für 23 Minuten ist die Welt um sie herum normal. 
Da. In der pfingstroten Hängematte.
Quelle: Adobe Stock